29 Module ausgelesen – und warum „Fitted“ keine gute Nachricht ist
Ein vollständiger Auto-Scan über alle Steuergeräte des Wagens. Der Wert liegt nicht in den Fehlercodes, sondern im Inventar selbst – und in einer Unterscheidung, die eine saubere Liste plötzlich weniger sauber aussehen lässt.
Was ein Vollabgriff überhaupt beantwortet
Ausgelesen wurde mit einem markenspezifischen Handgerät im Modus Auto Scan: 29 Module, quer durch Motor, Fahrwerk, Karosserie, Komfort. Die Fehlercodes sind dabei der uninteressantere Teil. Der eigentliche Ertrag ist die Frage, was am Wagen überhaupt ansprechbar ist — und was es nicht gibt.
Die Lesehilfe, ohne die der Scan in die Irre führt
Die Liste kennt zwei Sorten von Gutmeldungen, und sie bedeuten nicht dasselbe.
Pass bekommen: Motorsteuerung, ABS/VSC, Luftfahrwerk, Leuchtweitenregelung, die vier Türmodule,
das CAN-Gateway, die Wegfahrsperre, die Einparksensoren, der Airbag. Also alles, was einen eigenen
Fehlerspeicher führt.
Fitted bekommen: Kombiinstrument, die drei Sitzmodule, das Schiebedach, das Lenkrad-Tastenmodul,
der Regensensor, zwei der Karosseriemodule. Also Komfortmodule ohne DTC-Abfrage.
Pass = abgefragt, kein Code gefunden.
Fitted = erkannt, aber keine Fehlerspeicher-Abfrage möglich.
Wenn das stimmt, ist Fitted keine Gutmeldung, sondern „nicht geprüft“. Eine Liste voller Fitted sieht aus wie ein sauberer Wagen und ist in Wahrheit eine Liste ungeöffneter Türen.
Das ist eine Hypothese aus dem Muster, keine Herstellerangabe — mit einem Stützpunkt: Der Regensensor
steht als Fitted in der Liste, und dass er existiert, wurde am selben Tag am Fahrzeug bestätigt. Ein
Fall beweist die Semantik nicht, entkräftet aber den Verdacht, Fitted sei bloß eine Profil-Fiktion
des Geräts.
Das Gerät führt Module, die der Wagen nicht hat
Ein Modul meldet Fault (3) — das Getriebesteuergerät. Nur hat dieser Wagen keins: Die Automatik wird
vom Motorsteuergerät mitgeregelt. Drei Fehler in einem Modul, das nicht existiert, sind kein Befund,
sondern ein Auslese-Artefakt aus dem generischen Geräteprofil.
Das ist unangenehm für jeden, der solche Listen liest — und gleichzeitig der Schlüssel zur nächsten Erkenntnis.
Kein Reifendruck-Modul, in keiner Zeile
Damit ist eine lange offene Frage endgültig beantwortet: Nein, dieses Gerät liest das Reifendruck-System nicht. Und das ist ein stärkeres Nein als „nicht gefunden“. Denn das Gerät führt sogar Module, die der Wagen gar nicht besitzt. Wenn nicht einmal das generische Profil ein Reifendruck-Modul kennt, gibt es keine Route dorthin.
Angelernt wird ausschließlich über den Taster am Lenkstock. Eine Warnlampe, die von dort kommt, wird nie eine auslesbare Spur haben.
Ein Test, der fünf Tage vorher festgelegt wurde
Im Fahrwerks-Steuergerät standen zwei Codes, darunter einer für den Ablassventil-Kreis. Beide wurden gelöscht — aber nicht einfach so, sondern mit einem vorab festgelegten Kriterium:
Bleibt der Code weg, war es die Hebebühne — der Wagen stand aufgebockt bei eingeschalteter Zündung. Kommt er wieder, ist der Ventilkreis defekt.
Fünf Tage normales Fahren später meldet das Modul Pass. Es war die Bühne. Kein Teil zu kaufen.
Und das entscheidet mehr als die Ventilfrage: Ein Fahrwerk mit anliegendem Fehler geht in den Notlauf, und ein System im Notlauf regelt nicht. Die kurz zuvor gemessene Schräglage des Wagens wäre damit wertlos gewesen — man hätte nur gemessen, wo er sich zufällig hingesetzt hat. Jetzt ist klar: Die Messung stammt von einem gesund regelnden System und trägt.
Der Aufwand steckt nicht im Löschen, sondern im vorher formulierten Kriterium. Wer erst nach dem Ergebnis entscheidet, was es bedeutet, hat nichts gemessen.
„Pass“ heißt abgefragt und ohne Code. „Fitted“ heißt erkannt, aber gar nicht erst abgefragt. Wer das verwechselt, hält einen halb geprüften Wagen für einen gesunden.